Jannine Sutter

März

Eile mit Weile 2<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-klingnau.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>85</div><div class='bid' style='display:none;'>1414</div><div class='usr' style='display:none;'>23</div>

Was ist der Mensch? Teil II
Volker Houba,


Lieber Leser, liebe Leserin

Es gibt Menschen, die ärgern sich ständig. Über alles und nichts.
Vielleicht tut es ja gut, wieder einmal „Mensch ärgere Dich nicht“ oder „Eile mit Weile“ zu spielen und über die Gewichtung des eigenen Ärgers nachzudenken?!
Dazu viel mir jüngst der Text von Henning Kiene in die Hände:

„`Mensch ärgere Dich nicht‘:

An langen Sonntagnachmittagen holten wir Kinder den flachen, roten Karton aus dem Wohnzimmerschrank. „Mensch ärgere Dich nicht“ stand darauf. Wir spielten am großen Tisch, würfelten reihum, setzten unsere Figuren, alle wollten zuerst fertig sein. Oft kam es ganz anders, kurz vorm Ziel, jemand wirft mich raus, die Spielfigur muss noch einmal ganz von vorne beginnen. Auf dem Karton steht zwar: „Mensch ärgere Dich nicht“. Wir ärgern uns natürlich sehr.
Vor gut hundert Jahren hat der Erfinder des Spieles 3000 dieser roten Kartons in die Kriegslazarette des Ersten Weltkrieges liefern lassen. Dort wurde, so wird berichtet, dieses „Mensch ärgere Dich nicht“ begeistert angenommen. Schon um 7 Uhr haben sie, so schreibt ein Soldat aus dem Lazarett, mit dem Spiel begonnen.
Die körperlichen und seelischen Schmerzen gerieten, während sie spielten, in Vergessenheit – wenigstens für einige Zeit. „Mensch ärgere Dich nicht“ muss auf die, die der Enge und Tiefe des Schützengrabens entkommen waren, wie eine Befreiung gewirkt haben. Endlich gewannen sie wieder einen Überblick, überblickten das Ganze und spürten neue Sicherheit.
In diesem Spiel entsteht noch immer ein Gegenbild zum Krieg: Es imaginiert verlässliche Wege und gültige Regeln. Das Brettspiel kommt sogar ohne den Tod aus: Selbst wer kurz vor dem Ziel hinausgeworfen wird, kann wieder auf das Spielfeld zurückkehren. Das Ende des Todes ist das Herzstück jeder Hoffnung. Im Spiel kann man sich solcher Hoffnung annähern.
Dass diese Erinnerungen mit dem flachen, roten Karton aufbewahrt werden, wussten wir als Kinder natürlich nicht. Manchmal flossen sogar große Kindertränen, wenn wir rausgeworfen wurden und wieder von vorne beginnen mussten. Wie die Überlebenden des Krieges: Irgendwie hatten sie überlebt und konnten im echten Frieden neu beginnen. Da stimmte der Titel des Spieles wieder, er klang bitter, transportierte aber eine Wahrheit: „Mensch ärgere dich nicht.‘“

Ahoi Volker Houba
Bereitgestellt: 01.03.2019     
aktualisiert mit kirchenweb.ch