Jannine Sutter

Oktober

Kirche (Foto: Marcello Buonaurio)

Kirche – eine Mitte, viele Facetten
Matin Bihr,
Liebe Leserin, lieber Leser

Eine Gemeinschaft kann sich dadurch auszeichnen, dass alle, die dazu gehören, sehr ähnlich sind, z.B. die gleichen Interessen und Ziele haben. Oder sie kann sich dadurch auszeichnen, dass man sich von den andern abhebt Man ist anderes und etwas Besonderes.

Für die Kirche trifft Beides nicht zu. Kirche ist nicht besser oder anders. Es «menschelt» ja auch ganz durchschnittlich im Leben einer Kirchgemeinde. Und die, die dazu gehören, sind alles andere als eine homogene Einheit. Alle Altersgruppen und politischen Couleurs gehören dazu. Unzählige Frömmigkeitsstile und Kulturen treffen aufeinander.
Was die meisten von uns aber verbindet, ist die gemeinsame Sehnsucht nach Frieden und Liebe, Freiheit und Gerechtigkeit. Was diese grossen Worte im persönlichen Leben bedeutet, sieht dann schon wieder sehr verschieden aus.
Schön, ist die Kirche so facettenreich. Mit Reglementierung und Organisation alleine kann dn das gemeinsame Unterwegs einer so bunten Gemeinschaft nicht fruchtbringend gestaltet werden.

Was ist es nur, was diese Gemeinschaft zu dem macht, was sie sein will, nämlich ein Leib- viele Glieder? – Es ist dies die gemeinsame Mitte. Diese ist gemäss dem biblischen Zeugnis nicht etwa der gemeinsame Glaube oder Gottesdienst. Diese sind vielmehr Frucht der Mitte. Die Mitte ist Jesus Christus, von welchem in den Evangelien bezeugt wird, dass er der Weg des Friedens und der Liebe, der Freiheit und Gerechtigkeit für uns ist. Über ihn kann niemand verfügen. Niemand von uns das Recht, das eigene Verständnis von ihm als Wahrheit für alle zu definieren. Es ist unser aller Eigenrecht und Eigenverantwortung, für sich und in sich Gottes Wahrheit für sein Leben zu finden.

Kirche bietet Raum, einander zu unterstützen im Ringen um Frieden und Liebe, Freiheit und Gerechtigkeit. Je nach Lebenssituation tun wir dies aktiver oder zurückhaltender, mit andern oder lieber allein. Der Raum der dann offen ist für Jede und Jeden, wann man es braucht.

Innerkirchlich wird manchmal beklagt, dass sich nicht mehr Menschen für die kirchlichen Angebote interessieren. Es ist dann tatsächlich beklagenswert, wenn der Grund darin liegt, dass das kirchliche Leben sich für Menschen als wenig hilfreich, unattraktiv oder gar fragwürdig erweist. Dann sind wir gefordert, die kirchlichen Aufgaben besser zu machen. Manchmal muss aber auch akzeptiert werden, dass nicht für alle in allen Lebenslagen Kirchliches das ist, was man braucht.

Ich freue mich über alle, die aktiv Gemeinschaft gestalten. Ich freue mich genauso über alle, die «nur» Mitglieder der Kirche sind, ohne aktiv mitzumachen, weil sie sich mit der Kirche solidarisieren.

Ich freue mich, dass unser Zusammenhalt nicht darin besteht, dass wir es gut machen miteinander, sondern dass Gott es mit uns allen gut macht. In der reformatorischen Predigt von Pfr. Konrad Schmid (1476-1531) heisst es: «Der ewig barmherzige Gott hat je und je milde und väterlich gehandelt mit dem menschlichen Geschlecht. Freundlich sein seine Zusagen.» Folgerichtig heisst es: «Das ist der tragende Grund unserer Kirche: Die allumfassende Liebe Gottes, wie sie sich in Jesus Christus offenbart.» (Kirchenordnung der er Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Aargau,
Präambel).

Bereitgestellt: 01.10.2022      
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