Jannine Sutter

September

September (Foto: Markus Dettwiler)

Hoffnung gegen die Bitternis
Jasmin von Wartburg,
Wie aus verbrannter Erde Hoffnung entsteht – Zeichen des Lebens

RÜCKBLICK | Letztes Jahr im Sommer war die Verzweiflung gross auf Rhodos. An manchen Tagen sah es aus, als brenne die ganze Insel, der Garten im Frauenkloster auch. Als die Feuer nachliessen, war alles schwarz. Abgebrannte Olivenbäume, Wiesen und Wäldchen. Schwarze Landschaft aus Hoffnungslosigkeit. Die Nonnen weinten und beteten sich durch den Winter..
NEUES LEBEN | Aber jetzt kommt neues Leben. Viele Menschen aus der Umgebung haben es sich zur Aufgabe gemacht, in den Klostergärten neues Leben zu erwecken. Den Anfang machten 33 Menschen, die jeweils ein Olivenbäumchen pflanzten. In drei Jahren werden sie Früchte tragen und wieder Öl bringen – wichtige Einkünfte für die Klosterkasse. Die Wäldchen waren auch nicht mehr zu retten. Es war kein Samen mehr in der Erde. Das aber wird bald anders werden. Frische Pflanzen sind schon in Gewächshäusern und werden bald gepflanzt werden. Zwischen allem wird es von selber grün. Die verbrannten Wiesen haben sich erholt und grünen wieder. Wo alles schwarz und tot schien, wächst neues Leben in grün.

OSTERN | Was für ein Sinnbild! Ostern leistet hier ganze Arbeit. Und die Schwestern strahlen wieder. Ihre Verzweiflung war gross; ihre Hoffnung jetzt ist noch grösser. Wenn sie aus ihrem Haus kommen, sieht die Erde und die Landschaft um sie herum aus, als wolle alles unbedingt wieder leben, als seien sie die Schwärze des Verbrannten leid und machten sich auf zu neuem Blühen, Wachsen und Reifen. Der Tod durch Feuer war schlimm, aber er hat nicht gesiegt. Es siegt das Leben – und die wunderbare Aussicht, in drei Jahren wieder frische Oliven ernten zu können.

VERZWEIFLUNG | Verzweiflung ist schlimm. Auch wenn es eine Ahnung geben sollte, dass eine Verzweiflung enden kann, ist Geduld schwer. Da hilft es, solche Bilder zu haben: 33 Menschen haben jeweils eine Pflanze in der Hand und setzen sie in den Boden – 33 Olivenbäume für die Zukunft. Oder wir sehen Frauen und Männer, die ein Wäldchen neu entstehen lassen. Es wird wieder Schatten geben; es wird wieder Kühle sein in heissen Sommern. Es wird wieder ein Grün sein, das die Augen erfreut und tröstet.

HOFFNUNG | Auferstehung braucht Hoffnungsbilder, um ihr vertrauen zu können. Jesus spricht vom sterbenden Weizenkorn, das neue Frucht bringt (Johannes 12,24). Jesu Jüngern, Frauen und Männern, sehen wir Hoffnung an, die aus der Furcht kommt. Begeistert erzählen sie landauf, landab von ihrer Zeit mit Jesus. Auch heute sehen wir Menschen, die nicht verbittern, wie gross ihre Lasten auch seien.
Das ist Auferstehung: Zeichen des Lebens sehen und Zeichen des Lebens stiften gegen die Hoffnungslosigkeit. Wo Bitternis weicht, ist Gott ganz nahe.


Pfarrerin Jasmin von Wartburg


Zäme.si Septemberausgabe
Bereitgestellt: 01.09.2024      
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