Gott – Meine Zuversicht und Stärke
Wie ein Psalm neue Kraft verleiht und trotzig dem Alltag entgegentritt.
Markus Dettwiler ,
Ja, der Alltag hat uns wieder. Nach der schönen Sommerzeit, auch wenn es manchmal für viele zu heiss war. Und mit dem Alltag kehrt all das zurück, was man im Sommer mit seinen Festen und den Aus- und Urlaubszeiten so oft hinter sich lassen und ausblenden konnte: Die Arbeit in Familie und Beruf – samt dem Konflikt mit dem schwierigen Kollegen. Das neue Schuljahr. Ungelöste Probleme in der Familie. Die Hüft-Operation oder die Magen-Darm Spiegelung, die bevorsteht. Dazu all die Fragen rund um unsere Gesellschaft, die Politik und die Lage in der Welt, die Sorge bereiten.
«Gott ist unsere Zuversicht und Stärke!» , so lese ich in einer meiner Bibeln – es ist gerade die Lutherbibel. Und ich denke: Was für ein passendes Motto, wenn es jetzt gilt, die Ärmel hochzukrempeln und die Aufgaben anzugehen, die da warten. Die Worte stammen aus dem 46. Psalm und erinnern mich: Ich muss diese Herausforderungen nicht nur aus eigener Kraft bewältigen. Ich habe Zugang zu einer noch anderen, unerschöpflichen Kraftquelle. Dorthin lenkt der 46. Psalm meinen Blick. Das althochdeutsche Wort «zuofirsiht» meint dabei ein «ehrfurchtsvolles Aufschauen», so das freie Online-Wörterbuch Wiktionary. Das heisst für mich, nicht nur die ungelösten Probleme zu fixieren, wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange es tut und dabei vor lauter Angst erstarrt. Ich darf und soll auf den schauen und dem ehrfurchtsvoll etwas zutrauen, der schon vielen Menschen geholfen hat. Menschen, die in grosse Nöte geraten sind. Menschen, die gefordert waren und sich wie ich manchmal überfordert fühlen. Denn: Gott ist unsere Zuversicht und Stärke!
Dabei sind diese Worte durchaus auf wackeligen Boden gesprochen. Sie wollen gelten und wirksam sein in Zeiten, in denen vieles wegbricht, «wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken, wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen». Doch wer Gott zum Helfer hat, so der Psalm weiter, der wird «fein lustig» sein und wohnen können trotz aller Herausforderungen und Bedrohungen ringsum.
Beim tieferen Nachdenken fallen mir zwei Menschen ein, die diese Erfahrung kennen: «Ach, wissen Sie, ich habe da ein grosses Gottvertrauen», so eine Frau. Ihre Vorgesetzte behandelt sie äusserst ungerecht. Sie versucht immer wieder, die Mitarbeiterin an den Rand zu drängen. Dabei ist diese wegen ihrer Hilfsbereitschaft bei anderen besonders beliebt und geschätzt. Trotzdem oder gerade deshalb ist sie der Chefin ein Dorn im Auge.
«Gott weiss, was er tut. Warum soll ich mich abtun?», so eine andere Frau. Sie ist seit mehr als drei Jahren an Krebs erkrankt. «Soll ich wüten, verkrampft kämpfen oder schreien?» Ja, hin und wieder weine sie. Das tue ihr gut. Aber im Grossen und Ganzen wirkt sie gelassen und im Einklang mit sich und ihrem Gott.
Zwei Menschen, die ihr Leben «bei Gott» festmachen, ehrfurchtsvoll und vertrauend zu ihm schauen und daraus Kraft gewinnen.
Es ist September, und der Alltag hat uns wieder. Aufgaben stehen an. Manche sind vorhersehbar, andere Herausforderungen werden neu über uns hereinbrechen. Aber wir dürfen wissen: Wir gehen nicht allein durchs Leben. Wir werden gehalten von einer grossen Kraft. An ihr können wir uns immer wieder festmachen. Können aufsehen, aufmerksam sein und alles von ihr erwarten. Die Ärmel hochkrempeln, den Alltag angehen mit Blick auf Gott, der uns wie ein grosser Helfer unseres Lebens begleitet. Bleiben wir mutig und humorvoll. Denn: Gott ist unsere Zuversicht und Stärke.
Pfr. Markus Dettwiler