Jannine Sutter

Die Welt wird nicht mehr so sein, wie sie einmal war.

202510-Input (Foto: Markus Dettwiler)

Jasmin von Wartburg,
In der Geschichte der Menschheit hat es immer wieder Ereignisse gegeben, die für die ganze Welt einschneidend waren. Vor 24 Jahren stürzten die Türme des World-Trade-Centers in New York nach den Terroranschlägen in sich zusammen. In vielen Kommentaren konnte man hören: «Die Welt wird nicht mehr so sein, wie sie einmal war.» Im Februar 2022 Jahr fiel die russische Armee in die Ukraine ein. Auch da war die Rede von einer «Zeitenwende». Ganz zu schweigen von der schwierigen Geschichte mit den Zöllen, die uns seit Anfang dieses Jahres beschäftigt.
Aussergewöhnliche Ereignisse hinterlassen bei vielen Menschen Spuren. Nicht selten haben wir Angst vor dem, was auf uns zukommt. Der Krieg in der Ukraine, die Geschehnisse in der Weltpolitik und die explodierenden Preise stellen uns als Gesellschaft vor schwierige Aufgaben. Unabhängig davon, in welchem Mass jede und jeder einzelne persönlich von diesen Entwicklungen betroffen ist, können wir feststellen, dass sich die Atmosphäre in der Schweiz verändert hat. Daran hat natürlich auch die seit über fünf Jahren andauernde Corona-Pandemie ihren Anteil: Viele von uns sind verunsichert oder haben Angst.
Angst zu haben ist für jeden Menschen eine Qual. Dabei ist es egal, ob es die Angst vor Terror ist, die Angst um die Zukunft unseres Landes oder die private Angst um die eigene Gesundheit, um die Gesundheit lieber Menschen, um die Zukunft der Kinder oder um den Arbeitsplatz.
Gott möchte nicht, dass wir Angst haben. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Bibel. «Fürchte dich nicht…» – diese Worte finden sich immer wieder, besonders im Evangelium. Sie finden sich bei der Verkündigung der Geburt Jesu ebenso wie bei seiner Auferstehung. Der Glaube an Gott, an seine Liebe und Gnade möchte und kann mir die Furcht im Leben nehmen.
Denn die alles entscheidende Zeitenwende hat schon vor langer Zeit stattgefunden: vor rund 2000 Jahren. «Die Welt wird nicht mehr so sein, wie sie einmal war.» Es gibt keine passenderen Momente, auf die dieser Satz zutrifft, als die Geburt Jesu im Stall von Betlehem und den Moment der Auferstehung am Ostermorgen. Gott wird Mensch und überwindet den Tod – das sind grosse historische Zäsuren, die unsere Gegenwart und unsere Zukunft bestimmen. Jesus ermutigt uns immer wieder, an ihm auch in auswegloser Situation festzuhalten. Weil Gott Möglichkeiten hat, die wir nicht kennen, nicht einmal erahnen oder uns erträumen können. Darauf zu vertrauen, ist nicht einfach, besonders dann nicht, wenn um uns herum alles dunkel und ausweglos erscheint. Aber wir können es einüben. Wenn wir aufmerksam für Gottes Wirken werden, wenn es uns gut geht. Wenn wir nicht alles für selbstverständlich halten. Wer im Licht die Spuren von Gottes Gnade erkennt, traut sich auch, nach ihnen zu suchen, wenn alles dunkel ist. Und mag dieses Suchen auch nur ein hilfloses Tasten sein. Wer mit Hoffnung sucht, für die oder den wird es schon ein wenig heller.
Pfarrerin Jasmin von Wartburg
Bereitgestellt: 01.10.2025      
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