Jannine Sutter

Ein Mann der Fairness

Stadion (Foto: Markus Dettwiler)

In diesem Monat findet die Fussballweltmeisterschaft statt. Wie das wohl werden wird?
Es kommt nicht oft vor, dass ein Schiedsrichter im Fussball einen Spieler öffentlich lobt – wegen seiner Fairness. Kürzlich aber kam es vor. Der Fairnessmann heisst Karim Adeyemi, 25 Jahre alt, ist deutscher Nationalspieler und Stürmer bei Borussia Dortmund. Als er in einem Spiel stürmte und vom gegnerischen Verteidiger daran gehindert wurde, knickte der Verteidiger plötzlich ohne Fremdeinwirkung um und verletzte sich. Jetzt hätte Karim Adeyemi eigentlich freie Bahn. Die nutzte er aber nicht, sondern spielte den Ball absichtlich ins Aus. So konnte der andere Spieler behandelt werden – und Adeyemi verzichtete auf eine gute Chance.
Adeyemi selbst redete gar nicht darüber. Dafür aber der Schiedsrichter. Er sagte hinterher zu den Fernsehreportern: „Ich würde gerne diese Bühne nutzen, um die geniale Fair-Play-Aktion öffentlich zu machen. Der Spieler wollte nicht von einer Verletzung profitieren. Das fand ich sehr toll!“

Beim Fussball geht es immer um sehr viel Geld, was viele Fans mittlerweile lautstark beklagen. Rücksichten werden nicht gerne genommen; und wenn doch, dann eher solche, die einem selbst auch nutzen. In diesem Fall aber ist das anders. Ein Spieler verzichtet auf sein gutes Recht, damit einem anderen geholfen werden kann. Das ist so aussergewöhnlich, dass es möglichst überall bekanntgemacht werden sollte. Ein Mensch der Fairness in einer Welt, die vor allem nach Ansehen und Geld strebt. Wenn das doch Schule machen würde!

Ist Fairness überhaupt noch ein Thema? Ist Rücksicht auf Schwächere noch eine Tugend? Darüber müssen wir jetzt nicht spekulieren. Wir schauen auf das gute Beispiel der Fairness und wünschen uns, dass wir alle solche Augen für die Schwächen anderer haben. Es gibt in der Bergpredigt (Matthäus 7,12) die sogenannte „Goldene Regel“, von der Jesus spricht und die wir uns im Ernstfall alle wünschen: Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch. Ein sehr kluger Gedanke. Behandelt andere so, wie ihr gerne von den anderen behandelt werden möchtet.
Seid fair zueinander, könnte das in Kurzform heissen. Achtet auf die, die nicht mehr mitkommen; oder: Nutzt nie aus, wenn andere straucheln. Das ist schon sehr viel Nächstenliebe, an der Jesus sich erfreuen würde. Manchmal wies er sogar seine eigenen Jünger zurecht (Lukas 18,15ff), wenn die meinten, Menschen verscheuchen zu müssen. Lasst sie zu mir, sagte Jesus dann. Nehmt Rücksicht auf die, die bedürftig sind.

Fairness ist nicht nur im Sport wertvoll. Auch im Leben. Wer andere Menschen achtet, behandelt sie fair, also rücksichtsvoll.
Pfarrerin Jasmin von Wartburg

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