Jannine Sutter

Das leben ist nicht fair

Blumenstrauss (Foto: Susanne Eberle)

Niemand hat uns Fairness versprochen – Gott verschafft Genugtuung.
Jasmin von Wartburg,
So schöne Worte sind das – aus dem Lied «Mensch» von Herbert Grönemeyer: «Der Mensch heisst Mensch … weil er wärmt, wenn er erzählt … und weil er lacht, weil er lebt; du fehlst.» 2002, vier Jahre nach dem Tod seiner Frau, erschien dieses Lied; und nach dem Tod seines Bruders. Grönemeyer hat später wieder geheiratet und wurde noch einmal Vater. Im April wurde er 70 Jahre alt.
Geboren wurde Grönemeyer in Göttingen, aufgewachsen ist er in Bochum. «Bochum» heisst auch sein erstes Album, mit dem er berühmt wurde. Zuvor spielte er mit im Film «Das Boot». Mit dem Album «Bochum» begann eine grosse Karriere in Deutschland und Europa; auch in der Schweiz ist Grönemeyer sehr beliebt. Gleichzeitig mit seiner Karriere begann auch sein grosses gesellschaftliches Engagement. Der Mensch genügt nicht sich selbst, denkt Grönemeyer. Er lebt, liebt, lacht und dient anderen. Und er leidet an den Verlusten, die er erlebt. Davon singt Grönemeyer in seinem Lied «Der Weg»: Das Leben ist nicht fair.
Nein, das Leben ist nicht fair. Allerdings hat uns niemand, auch Gott nicht, zugesagt, dass das Leben fair sei. Er hat uns etwas anderes zugesagt: Fürchtet euch nicht; ich bin bei euch. Das ist Gottes Versprechen für unser Leben. Mit dem Versprechen verbindet Gott eine Bitte, eine Ermutigung. Das Leben besteht, wer seine Nächsten so liebt wie sich selbst. Liebe trägt das, was wir als Unfairness empfinden.
Es geht nicht gerecht zu im Leben. Manche tragen viel Leid, manche gar nicht. Es gibt bettelarme Menschen und superreiche. Es gibt böse Menschen mit viel Erfolg und gute Menschen, die an ihren Misserfolgen leiden. Das Leben ist nicht fair.
Darum hoffen wir. Hoffen auf Gott und sein Reich. Manchmal erleben wir schon auf Erden, dass fehlende Gerechtigkeit hergestellt wird – hergestellt von Gott, der unter Ungerechtigkeit leidet wie seine Kinder. Dann verschafft Gott Genugtuung. Andere erleben zu ihren Lebzeiten nicht, dass ihnen Gerechtigkeit widerfährt. Sie hoffen auf den Himmel. Im Himmel gilt allein die Liebe. Die auf Erden gelebte Liebe.
Darauf hoffen wir. Seit jenem Ostermorgen in Jerusalem, als Gott seinen Sohn von den Toten erweckte und den Jüngern um Jesus, Frauen und Männern, eine lebendige Hoffnung schenkte. Sie nutzten diese neue Hoffnung sofort. Sie erzählten in ihrer kleinen Welt, dass Gott alles recht machen wird. Später erzählte die Kirche es weltweit. Und angemessen laut.
Auch wenn das Leben nicht fair ist – Gott ist es. Er wird uns zurechtbringen. Er wird Genugtuung schaffen für die, die unter dem Bösen leiden und gelitten haben. Er wird alle Liebe lohnen. Das darf auch unsere lebendige Hoffnung sein. Möge sie uns beflügeln zu viel Liebe zu unseren Nächsten.
Pfarrerin Jasmin von Wartburg
Bereitgestellt: 27.08.2026      
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